Theorie (20 Stunden)
Der Theoriekurs umfasst die wichtigsten Themen für ein psychosomatisches Krankheitsverständnis: Entwicklungspsychologie, Neurosenlehre, psychosomatische Krankheitslehre und die wichtigsten therapeutischen Konzepte werden vorgestellt und diskutiert.
• Was ist ein psychosomatischer Ansatz?
• Das bio-psycho-soziale Modell in der Psychosomatik
• Genetik und neuronale Plastizität
• Kausalität und scheinbare Kausalität
• Zuschreibungen
• Das Unbewusste und das Bewusste
• Das Modell Freuds und die aktuellen Befunde der Neurobiologie
• Abwehrmechanismen und Störungen der Ich•Struktur
• Das psychodynamische Konfliktmodell
• Wiederholungsdrang und Familientraditionen
• Entwicklungspsychologie
• Von Freuds Phasenmodell zum Baby•watching
• Bindungsmuster und deren Auswirkungen
• Störungen der einzelnen Entwicklungsphasen und deren Auswirkungen
• Die Entstehung psychischer Störungen
• Neurosen als individuell unteroptimale Konfliktlösung
• Krankheitsbewusstsein und Leidensdruck
• Depressive Störungen einschließlich depressiver Krisen und somatisierter Depressionen
• Angsterkrankungen, Panikstörung und Phobien
• Zwangserkrankungen
• Konversion und Dissoziative Störungen
• Posttraumatische Belastungsstörung
• Borderline – Persönlichkeitsstörung
• Abgrenzung von Neurosen gegenüber Psychosen
• Kurzer Überblick über diagnostische und therapeutische Konzepte bei Psychosen
• Psychosomatische Krankheitsmodelle und deren psychophysiologische Grundlage
• Somatoforme Störungen, Somatisierungsstörungen
• Psychosomatische Aspekte bei Entstehung und Behandlung von typischen Krankheitsbildern:
Asthma bronchiale
Neurodermitis, insbesondere auch die Neurodermitis des Säuglings
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
Binge-eating, Anorexia nervosa und Bulimie
Ulcus duodeni
Fresssucht und Übergewicht
Sekundäre Enuresis
Rückenschmerzen
• Münchhausen-Syndrom, selbstschädigendes Verhalten
• Psychoimmunologie und Psychoonkologie
• Herz- und Kreislauferkrankungen
• Somatopsychische Krankheitskonzepte
• Sucht und schädigender Substanzkonsum
Voraussetzung für das Entstehen und Aufrechterhalten von süchtigem Verhalten
Stoffliche und nicht-stoffliche Süchte
Professionelle Therapiemodelle und Konzepte der Selbsthilfeorganisationen
Abgestufte Zielsetzung der Therapie (harm reduction, kontrollierter Konsum, Abstinenz)
• Sexualstörungen
Sexuelle Erlebnis- und Funktionsstörungen
Larvierte Sexualstörungen wie Pelvic•Pain•Syndrom, Fluor und Dyspareunie
Sexuelle Deviationen
Sexueller Missbrauch
• Konzepte der Diagnostik und der Intervention
• Iatrogene Fixierungen
• Die Rolle des Schmerzes und seine Behandlung
• Copingmodelle
• Der chronische Kranke, der moribunde und der sterbende Patient
• Systemische Aspekte von Krankheit bei Paaren und Familien
Übersicht über psychotherapeutische Verfahren:
• Zeitnahe Kurzinterventionen im Rahmen der Psychosomatischen Grundversorgung
• Autogenes Training und Progressive Relaxation als "Basistherapie"
• Psychodynamische Verfahren (tiefenpsychologisch und psychoanalytisch)
• Systemische Paar- und Familientherapie
• Verhaltenstherapie
• Hypnose und Hypnotherapie
Die Theoriethemen werden durch Übungen in den verbalen Interventionstechniken ergänzt. Filme werden teilweise übergreifend zu Theoriethemen und Interventionstechniken gezeigt.
Das hier aufgeführte Curriculum dient zur allgemeinen Orientierung und kann je nach Gruppenzusammensetzung modifiziert werden; das heißt, bestimmte Themen werden unterschiedlich intensiv behandelt oder durch andere ergänzt.
Verbale Interventionstechniken (30 Stunden)
In dem Kurs Verbale Interventionstechniken werden ärztliche Gesprächsführung und Interventionsstrategien bei Patienten mit funktionellen Störungen, psychosomatischen Erkrankungen und Neurosen anhand von Videoaufnahmen und Rollenspielen erörtert und geübt.
• Bewusste und unbewusste Anliegen der Patienten
• Die Bedeutung und Gestaltung des Erstkontaktes
• Das Finden einer gemeinsamen Ebene
• Schaffung eines diagnostischen und therapeutischen Bündnisses
• Gesprächstechniken für eine effiziente Anamneseerhebung
Rollenspiel:
Anamneseerhebung unter psychosozialen Aspekten
Videodemonstration:
Typische Arzt-Patienten-Begegnung mit ihren Stärken und Schwächen
• Der schwierige Patient
• Umgang mit unangemessenen Wünschen und Forderungen
• Autoaggressive Inszenierung
(Der Arzt als Henker oder Vergewaltiger)
Rollenspiel:
Umgang mit einem Patienten mit unangemessenen Forderungen
Videodemonstration:
Typische Arzt•Patienten•Begegnung mit ihren Stärken und Schwächen
• Interventionstechniken in der psychosomatischen Grundversorgung
• Konfrontation, Verstehen, Übersetzen von Symptomen, Anbieten von Modellen
• Beachtung von Übertragung und Gegenübertragung
• Das typische Setting und der Umgang mit Störungen
Rollenspiel:
Eingehen eines Behandlungsbündnisses und Kurzinterventionen über mehrere Behandlungstermine bei einem Patienten mit funktionellen Störungen
• Besondere Bedingungen bei Diagnostik und Therapie von Paaren und von Patienten in Begleitung Ihrer Angehörigen
• Gesprächsführung bei Paaren, Bedeutung der "Allparteilichkeit"
Rollenspiel:
Erstkontakt mit einem "schwierigen" Paar
Videodemonstration:
Familientherapie bei einem Patienten mit Colitis ulcerosa
•Frühes Erreichen eines Patienten mit schädigendem Substanzkonsum oder Abhängigkeitssyndrom. Grundlagen des "Motivational Interviewing" als Interventionsform
Rollenspiel:
Erkennen eines schädigenden Alkoholkonsums und Motivationsförderung des Patienten zu einer Behandlung
• Besonderheiten der Sexualanamnese
• Die unterschätzte Bedeutung der Sexualität bei der Entstehung von Krankheiten
Rollenspiel:
Erhebung einer Anamnese und Herstellung eines therapeutischen Bündnisses bei Patienten mit lavierter Sexualstörung
• Der Umgang mit infausten oder schlechten Prognosen - Probleme und Besonderheiten der Patientenaufklärung und der Begleitung
Rollenspiel:
Aufklärung eines Patienten mit fortgeschrittener Tumorerkrankung
Videodemonstration:
Aufklärungsgespräche und Reaktionen der Patienten
• Der suizidale Patient - Früherkennung und Krisenintervention
• Abgestufter Behandlungsplan in Abhängigkeit vom Ausmaß der Selbst- oder Fremdgefährdung
Rollenspiel:
Erkennen der Suizidgefährdung bei einem Patienten mit somatisierter Depression
Patienten-Demonstrationen:
Wenn geeignete Patienten zur Verfügung stehen, werden einzelne Themen im direkten Gespräch mit den Betroffenen entwickelt. Dazu finden - in Abstimmung mit den Patienten - ein Interview mit dem behandelnden Therapeuten unter Anwesenheit der Seminarteilnehmer oder eine Anamneseerhebung durch Seminarteilnehmer statt.
Die Übungen zu den verbalen Interventionstechniken finden im Regelfall in zeitlichem Zusammenhang mit der Behandlung der Themen im Theorieteil statt. Rollenspiele finden in Kleingruppen statt; sie können bei Bedarf auf Video aufgenommen und anschließend in der Großgruppe besprochen werden.
Das hier aufgeführte Curriculum dient zur allgemeinen Orientierung und kann je nach Gruppenzusammensetzung modifiziert werden; das heißt, bestimmte Themen werden mehr oder weniger intensiv behandelt und einzelne Übungen können durch andere Übungen ersetzt werden.
Balint Gruppe (14 Stunden)
Die Balint-Gruppe beleuchtet die Arzt-Patient-Beziehung. Sie bietet Ärzten aller Fachrichtungen die Möglichkeit, Probleme mit bestimmten Patienten unter tiefenpsychologischen Gesichtspunkten zu betrachten und besser zu verstehen. Im Rahmen des Kurses auf Mallorca werden 14 Stunden Balint-Gruppe angeboten. Die zusätzlich erforderlichen 16 Stunden können in verschiedenen Städten Deutschlands – in der Regel beim gleichen Leiter absolviert werden. Dabei kann dann auch das im Rahmen des Seminars Erlernte nach Anwendung in der eigenen Praxis erneut reflektiert werden.
Nach den Psychotherapierichtlinien müssen zwischen der ersten und der letzten Balint-Gruppe mindestens sechs Monate liegen! Es ist dabei egal, ob Sie mit dem Kurs auf Mallorca oder mit einer Gruppe in Deutschland beginnen.
In der Regel genügen zusätzlich zu dem Kurs auf Mallorca zwei Tage mit jeweils 8 Stunden Balint-Gruppe, die samstags oder sonntags in verschiedenen Städten angeboten werden. Für verschiedene Krankenversicherungen gelten Sonderregelungen: So muss die Balint-Gruppe in Hessen und Bayern auf mindestens fünf zusätzliche Termine aufgeteilt werden. In Frankfurt läuft deshalb eine Gruppe vierzehntägig montags und eine monatlich samstags. Dabei werden für hessische Teilnehmer zusätzlich Teile der Theorie und der Interventionstechniken vertieft. Weitere Sonderregelungen auf Anfrage!
Deutsche Balint-Gesellschaft
Seminarprogramm und Tagesablauf eines Kompaktkurses Psychosomatische Grundversorgung
1. Tag/ Anreise
16.00 bis 16.15 Begrüßung und Einführung in den Seminarablauf
16.15 bis 17.45 Theorie
18.00 bis 19.30 Verbale Interventionstechniken
2. bis 7. Tag
10.00 bis 12.15 Theorie
12.30 bis 13.30 Verbale Interventionstechniken
14.30 bis 16.45 Verbale Interventionstechniken
17.00 bis 18.30 Balint Gruppen
8. Tag/ Abreise
09.00 bis 11.00 Verbale Interventionstechniken
11.15 bis 12.45 Balint Gruppe
Ab dem zweiten Tag kann fakultativ ein Kurs Autogenes Training vor Beginn des eigentlichen Programms belegt werden. Einzelheiten dazu am Beginn des Seminars.
Die Zeiten können in Abhängigkeit von den An- und Abreisezeiten geändert werden. Bei einer größeren Teilnehmerzahl wird die Balint•Gruppe geteilt: Die eine Gruppe findet dann mittags statt, die nachfolgenden Veranstaltungen beginnen entsprechend später. An zwei Abenden der Woche sind Filmvorführungen zum jeweiligen Thema vorgesehen.
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