Zusatzweiterbildung Psychotherapie
- Zusatzbezeichnung -
Im Mai 2003 wurde auf dem 106. Deutschen Ärztetag eine neue Musterweiterbildungsordnung beschlossen.
Die neue Zusatzweiterbildung Psychotherapie ist im Vergleich zur alten Zusatzbezeichnung Psychotherapie vom Inhalt und Umfang deutlich reduziert worden (z. B. kein Psychiatriejahr, kein zweites therapeutisches Verfahren). Dadurch wird der Erwerb dieser Zusatzweiterbildung in begrenztem zeitlichem und finanziellem Umfang für viele Ärzte möglich.
Die Weiterbildung in Psychotherapie baut auf den Grundkenntnissen und Fertigkeiten, die in den Kursen zur Psychosomatischen Grundversorgung erworben wurden auf. Ziel ist der Erwerb einer eigenen psychosomatischen / psychotherapeutischen Kompetenz in der Diagnostik und Therapie psychischer und psychosomatischer Störungen und Probleme, wie sie in dem jeweiligen Fachgebiet auftreten.
Während die neue Weiterbildungsordnung mittlerweile in fast allen Ärztekammern in Kraft getreten ist, gibt es bisher noch keinen Beschluss darüber, wie die erbrachten Leistungen abzurechnen sind. Nach dem jetzigen Stand können die erbrachten psychosomatischen und psychotherapeutischen Leistungen wie bisher über die Richtlinienpsychotherapie vergütet werden.
Definition:
Die Zusatz-Weiterbildung Zusatzbezeichnung Psychotherapie umfasst in Ergänzung zu einer Facharztkompetenz die Vorbeugung, Erkennung und psychotherapeutische indikationsbezogene Behandlung von Erkrankungen des jeweiligen Gebietes, die durch psychosoziale Faktoren und Belastungsreaktionen mit bedingt sind.
Voraussetzung für die Teilnahme:
- Ärzte in Weiterbildung und Fachärzte in Klinik und Praxis
- Der vorherige Besuch der Psychosomatischen Grundversorgung
Besonderheiten:
Enge inhaltliche und personelle Verknüpfung mit der Psychosomatischen Grundversorgung.
Inhalte der Zusatzweiterbildung Psychotherapie – Zusatzbezeichnung –
- 100 Stunden theoretische Weiterbildung
- 15 Doppelstunden Fallseminar
- 50 Doppelstunden Gruppenselbsterfahrung oder 75 Stunden Einzelselbsterfahrung
- 10 dokumentierte und supervidierte Erstuntersuchungen
- 16 Doppelstunden Entspannungsverfahren
- 20 Doppelstunden Balint- Gruppenarbeit
- 120* Stunden psychodynamische/ tiefenpsychologische supervidierte Psychotherapie, davon 3 abgeschlossene Fälle. (* in Baden-Württemberg 240 Stunden)
Supervision:
Die Supervision der Behandlungsstunden sollte kontinuierlich, dass heißt, nach mindestens 4 Behandlungsstunden am Heimatort erfolgen. Zusätzlich bieten wir in Freiburg auch Supervisionsgruppen (3 – 5 Teilnehmer) fortlaufend oder im Block an.
Didaktik:
Unsere Kurse zeichnen sich durch ein ausgewogenes Verhältnis von Wissensvermittlung, praktischen Übungen und Selbsterfahrung aus. Jedes Thema wird durch Übungen belebt. Das notwendige Hintergrundwissen erhalten Sie in Form von Kurzvorträgen und Materialien. Durch Patienten-Live-Gespräche erleben Sie die Arbeit und den Stil der Kursleiter.
Die konkreten Fertigkeiten der therapeutischen Gesprächsführung und Beziehungsgestaltung ziehen sich als roter Faden durch die gesamte Weiterbildung. Besonderen Wert legen wir auf die Selbsterfahrung und die damit verbundene Sensibilisierung der Arztpersönlichkeit für Übertragungs- und Gegenübertragungsprozesse im ärztlichen Alltag.
Lernziele:
1. Erkennen psychosozialen Behandlungsbedarfs
· Frühzeitiges Erkennen psychischer und psychosomatischer Störungen und Probleme bei allen Krankheitsbildern
· Psychophysiologie (z.B. Zusammenhänge zwischen Psyche, Gehirn und Immunsystem, Stressmodell)
· Psychosoziale Faktoren bei Entstehung, Verlauf und Bewältigung körperlicher Krankheiten, z.B. Krebs und Herzinfarkt
· Psychische Störungen, z.B. bei Angst und Depression hinter körperlichen Beschwerden
· Erhebung einer biopsychosozialen Anamnese
2. Psychotherapeutische Gesprächsführung
· Vertiefung der Technik von patientenzentrierter und arztzentrierter Gesprächsführung
· Vorgehen in spezifischen Situationen, wie Motivationsarbeit bei Patienten mit somatoformen Störungen oder Sucht, Gespräche mit Patienten mit schweren körperlichen Erkrankungen, Gesprächsführung bei depressiven Patienten, Suizidalität, Persönlichkeitsstörungen und Complianceprobleme
3. Gestaltung der Arzt-Patienten-Beziehung
· Herstellen eines gemeinsamen Verständnisses (Passung) zwischen Arzt und Patient
· Die Person des Arztes als diagnostisches Instrument und als Wirkfaktor (Übertragung und Gegenübertragung)
· Empathie
· Nähe und Distanzregulierung, Kennenlernen eigener Grenzen, Schutz vor Burn-Out
Themen der Veranstaltungsblöcke:
1. Block: Angststörungen
2. Block: Depression
3. Block: fachspezifische Themen
· Gynäkologie und Geburtshilfe
· Allgemeinärzte und Internisten
Weitere Themen:
Essstörungen, Sucht, psychische und psychosomatische Störungen im Kindesalter
4. Block: Somatisierende Patienten
Die Themen sind jeweils Aufhänger für die Vermittlung von Theorie, praktischen Fertigkeiten und für die Selbsterfahrung. Als Querschnittsbereich ziehen sich durch alle Veranstaltungen:
· Verbesserung der ärztlichen Gesprächsführung mit psychotherapeutischen Interventionen
· Systemische Perspektive mit Einbeziehung von Partnern und Familienangehörigen
· Therapeutische Begleitung bei lebensbedrohlichen Krankheiten.
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