Suchtmedizinische Grundversorgung
Suchterkrankungen haben in unserer Gesellschaft, insbesondere damit auch in der Praxis des niedergelassenen Arztes einen zunehmenden Stellenwert. Der Kurs Suchtmedizinische Grundversorgung richtet sich nach dem Curriculum der Bundesärztekammer zur Fachkunde Suchtmedizin und soll der Vermittlung, dem Erwerb und dem Nachweis eingehender Kenntnisse, den Erfahrungen und den Fertigkeiten in der Prävention, Diagnostik, Therapie und Frührehabilitation von Suchterkrankungen dienen, welche über die im jeweiligen Gebiet aufgeführten Inhalte hinausgehen. Der Kurs umfasst vier Bausteine mit insgesamt 50 Stunden.
Der Kurs wird im wesentlichen in unserem Seminarzentrum im Hotel „Monnaber Nou“, einem Landhotel im Zentrum Mallorcas, angeboten. Dort finden seit mehr als acht Jahren bereits unsere Kurse zur psychosomatischen Grundversorgung statt. Auch bei dem Kurs Suchtmedizin setzt unser Konzept auf ein komprimiertes, praxisnahes Lernen in einem angenehmen Ambiente. Ein besonderer Akzent dieses Kurses besteht in seinem Praxisbezug mit realen Kontakten zu Patienten und Versorgungsystem. Zu den praktischen Übungen finden Teile des Kurses in Praxen, Krankenhäusern und Ambulanzen der Umgebung, sowie dem Selbsthilfezentrum des Projecto Hombre statt.
Baustein I Grundlagen 1 (4 Stunden)
– Aufgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung
– Aufgaben der Rentenversicherung
– Aufgaben der Sozialhilfeträger
– Auswirkungen der Zuständigkeit verschiedener Kosten-
träger auf die Versorgung
– Die Versorgungssysteme für Menschen mit Suchtmittel-
missbrauch oder -abhängigkeit
• Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention
• Unterschiedliche Aufgaben der Grundversorgung und der
suchtspezifischen Versorgung in der Suchtmedizin
• Aufgaben des Suchtkrankenhilfesystems, betriebliche
Suchtkrankenhilfe
• Komplementäre Hilfen
– Rechtliche Grundlagen der Versorgungs- und Behand-
lungsangebote inklusive Substitution mit Ersatzstoffen,
Psych. KG der Länder, § 64 StGB, BtMG
Baustein I Grundlagen 2 (6 Stunden)
– Kulturgeschichte des Gebrauchs von Suchtmitteln
– Individuelle Entwicklung des problematischen Sucht-
mittelkonsums (Ursachen, Verlauf, biopsychosoziale
Grundlagen)
– Epidemiologie von Suchterkrankungen und riskantem
Gebrauch
• Alkohol, Tabak, Medikamente, illegale Drogen
• Allgemein, geschlechtsspezifisch, altersgruppenspezifisch
• Volkswirtschaftliche Bedeutung von Suchterkrankungen
• Prävalenz von problematischem Suchtmittelkonsum (ein-
schließlich riskantem Gebrauch) im medizinischen
Versorgungssystem
– Diagnosekriterien für schädlichen Gebrauch/Missbrauch
und Abhängigkeit
– Nichtstoffgebundene Suchterkrankungen
– Phasenbezogene Motivation von Menschen mit proble-
matischem Suchtmittelkonsum
– Compliance
– Bedeutung der Familie und des sozialen Umfelds (u.a.
Co-Abhängigkeit)
Hierarchie von Behandlungszielen
Baustein II (8 Stunden) – Alkohol, Tabak
und Vertiefung Schwerpunktthema (6 Stunden)
Grundlagen
– Möglichkeiten und Grenzen von Ärzten bei der Behand-
lung von Patienten mit problematischem Alkohol- und
Tabakkonsum
Erkennen: Früherkennung/Diagnostik/Folge- und Begleit-
probleme
– Früherkennung: Instrumente, Klinik, Labor
– Diagnostik des riskanten und schädlichen Alkoholkon-
sums und der Alkoholabhängigkeit
– Diagnostik der Nikotinabhängigkeit
– Körperliche, psychische und soziale Folge- und Begleit-
probleme
– Entzugssyndrome
– Kombinierter Alkohol- und Medikamentenkonsum
– Komorbidität von psychischen Störungen und Alkohol-
mißbrauch bzw. -abhängigkeit
Behandlungsaspekte
– Kontrolliertes Trinken
– Behandlung des Alkoholentzugssyndroms
– Rückfallprophylaxe bei Alkoholabhängigkeit
– Stellenwert der Anticraving-Therapie
– Unterstützung der Raucherentwöhnung
Vermitteln
– Ambulante und (teil-)stationäre Beratungs- und Behand-
lungsangebote
- Indikationen für Vermittlungen
Baustein III (4 Stunden) – Medikamente
Grundlagen
– Psychosomatische Konzepte vegetativer Funktionsstö-
rungen
– Verschreibungspraxis
– Selbstmedikation
– Chronifizierungsprozesse psychosomatischer Strörungen
– Pharmakologie von Medikamenten mit Missbrauchs- und
Abhängigkeitspotential
• Benzodiazepine
• Barbiturate und Clomethiazol
• Amphetamine und andere Aufputschmittel
• Analgetika
• Laxantia
• Anabolika
• sonstige psychotrope Substanzen
– Sekundäre Abhängigkeitsentwicklung im Kontext ärzt-
lich geführter medikamentöser Behandlung....
• ...bei Schlafstörungen
• ...bei Schmerzsyndromen
• ...bei Depression und anderen psychischen Störungen
– Möglichkeiten und Grenzen von Ärzten und Ärztinnen
bei der Behandlung von Patienten und Patientinnen mit
problematischem Medikamentenkonsum
Erkennen: Diagnostik, Folge- und Begleitprobleme
– Diagnostik von schädlichem Gebrauch/Missbrauch und
Abhängigkeit
– Körperliche, psychische und soziale Folge- und Begleit-
probleme
Behandlungsaspekte
– Medikamentenentzugssyndrome
– Rückfallprophylaxe bei Medikamentenabhängigkeiten
Vermitteln
– Ambulante und (teil-)stationäre Beratungs- und Behand-
lungsangebote
Indikationen für Vermittlungen
Baustein IV (8 Stunden) – illegale Drogen
Grundlagen
– Illegale Drogen und die Rolle der medizinischen Primär-
versorgung
– Pharmakologie der am häufigsten gebrauchten illegalen
Drogen
• Opiate, Opioide und ihre Antagonisten
• Kokain
• Illegale Amphetamine
• Halluzinogene
• Cannabis
• Sonstige
– Pharmakologie der Substitutionsmedikamente und der
Opiatantagonisten
• Methadon/Levomethadon
• Levcetylmethadol (LAAM)
• Dihydrocodein/Codein
• Buprenorphin
• Sonstige
Erkennen: Screening/Diagnostik/Folge- und Begleitprobleme
– Verfahren zum Drogenscreening
– Körperliche, psychische und soziale Folge- und Begleit-
probleme
– Entzugssyndrome
– Polytoxikomanie
– Komorbidität von psychischen Störungen und Drogen-
mißbrauch/-abhängigkeit
Behandlungsaspekte
– Drogenentzugssyndrome
– Abstinenzorientierte Behandlung bei Drogenabhängig-
keiten
– Substitution
• Die ambulante Behandlung mit Methadon inkl. Verlaufs-
kontrolle und Labordiagnostik
• Substitutionsbehandlung bei HIV-Infizierten und AIDS-
Erkrankten
• Schwangerschaft und Substitution
• Umgang mit Rückfällen und Beigebrauch
• Organisatorische Probleme bei der Betreuung Drogen-
kranker in der hausärztlichen Praxis
• Opiatantagonisierung
• Weitere Behandlungsstrategien (z.B. Akupunktur)
Vermitteln
– Ambulante und (teil-)stationäre Beratungs- und Behand-
lungsangebote
– Indikationen für Vermittlungen
Wahlthema (6 Stunden)
(bezogen auf Baustein II, III oder IV)
Vertiefung für spezielle Tätigkeitsfelder und/oder Themen
(z.B. bei regionalen Problemschwerpunkten, Sucht und hel-
fende Berufe, Sucht und Alter)
Baustein V (14 Stunden) – Motivierende Gesprächsführung,
Praktische Umsetzung
Beraten I: Arzt-Patient-Beziehung
– Einstellungen gegenüber PatientInnen mit problemati-
schem Suchtmittelkonsum
– Positive und negative Behandlungserfahrungen
Beraten II: Motivierende Gesprächsführung
– Grundprinzipien motivierender Gesprächsführung
– Strategien motivierender Gesprächsführung
• Methoden
• Inhalte
– Kurzinterventionen in der medizinischen Primärversorgung
Praktische Umsetzung
– (Früh-)Erkennung und Diagnostik im Alltag der Praxis
und des Krankenhauses
– Motivierende Gesprächsführung im Alltag der Praxis und
des Krankenhauses
– Umgang mit Rückfällen/Wiederaufnahmen von Problem-
verhalten
– Schwierige Beratungs-/Behandlungssituationen
– Umgang mit Widerstand und "Fällen" im Beratungsge-
spräch
– Motivierende Gesprächsführung mit Angehörigen
– Kontinuierliche Zusammenarbeit des Arztes mit dem
Suchtkrankenhilfesystem
– Psychosoziale Betreuung im Rahmen der Substitution bei
Opiatabhängigkeit
– Unterstützung bei Entzug und Entwöhnung
Der Plan kann aufgrund von Patientenvorstellungen und Exkursionen zu Versorgungseinrichtungen geändert werden. Ein genauer Zeitplan mit Daten und Orten der geplanten Patientenvorstellungen geht allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit den Tagungsunterlagen etwa eine Woche vor Beginn zu.
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