Suchtmedizinische

Grundversorgung

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Suchtmedizinische Grundversorgung

Suchterkrankungen haben in unserer Gesellschaft, insbesondere damit auch in der Praxis des niedergelassenen Arztes einen zunehmenden Stellenwert. Der Kurs Suchtmedizinische Grundversorgung richtet sich nach dem Curriculum der Bundesärztekammer zur Fachkunde Suchtmedizin und soll der Vermittlung, dem Erwerb und dem Nachweis eingehender Kenntnisse, den Erfahrungen und den Fertigkeiten in der Prävention, Diagnostik, Therapie und Frührehabilitation von Suchterkrankungen dienen, welche über die im jeweiligen Gebiet aufgeführten Inhalte hinausgehen. Der Kurs umfasst vier Bausteine mit insgesamt 50 Stunden.

 

Der Kurs wird im Wesentlichen in unserem Seminarzentrum im Hotel „Monnaber Nou“, einem Landhotel im Zentrum Mallorcas, angeboten. Dort finden seit mehr als zehn Jahren bereits unsere Kurse zur psychosomatischen Grundversorgung statt. Auch bei dem Kurs Suchtmedizin setzt unser Konzept auf ein komprimiertes, praxisnahes Lernen in einem angenehmen Ambiente. Ein besonderer Akzent dieses Kurses besteht in seinem Praxisbezug mit realen Kontakten zu Patienten und Versorgungsystem. Zu den praktischen Übungen finden Teile des Kurses in Praxen, Krankenhäusern und Ambulanzen der Umgebung, sowie dem Selbsthilfezentrum des Projecto Hombre statt.

 

Baustein I Grundlagen 1 (4 Stunden)

– Aufgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung
– Aufgaben der Rentenversicherung
– Aufgaben der Sozialhilfeträger
– Auswirkungen der Zuständigkeit verschiedener Kostenträger auf die Versorgung
– Die Versorgungssysteme für Menschen mit Suchtmittelmissbrauch oder -abhängigkeit
    • Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention
    • Unterschiedliche Aufgaben der Grundversorgung und der suchtspezifischen
Versorgung in der Suchtmedizin
    • Aufgaben des Suchtkrankenhilfesystems, betriebliche Suchtkrankenhilfe
    • Komplementäre Hilfen
– Rechtliche Grundlagen der Versorgungs- und Behandlungsangebote inklusive Substitution 

mit Ersatzstoffen, Psych. KG der Länder, § 64 StGB, BtMG

 

Baustein I Grundlagen 2 (6 Stunden)

 

– Kulturgeschichte des Gebrauchs von Suchtmitteln
– Individuelle Entwicklung des problematischen Suchtmittelkonsums
(Ursachen, Verlauf, biopsychosoziale Grundlagen)
– Epidemiologie von Suchterkrankungen und riskantem Gebrauch
   • Alkohol, Tabak, Medikamente, illegale Drogen
   • Allgemein, geschlechtsspezifisch, altersgruppenspezifisch
   • Volkswirtschaftliche Bedeutung von Suchterkrankungen
   • Prävalenz von problematischem Suchtmittelkonsum (einschließlich riskantem Gebrauch) 
     im medizinischen Versorgungssystem
– Diagnosekriterien für schädlichen Gebrauch/ Missbrauch und Abhängigkeit
– Nichtstoffgebundene Suchterkrankungen
– Phasenbezogene Motivation von Menschen mit problematischem Suchtmittelkonsum
– Compliance
– Bedeutung der Familie und des sozialen Umfelds (u. a. Co-Abhängigkeit)
-- Hierarchie von Behandlungszielen

 

Baustein II (8 Stunden) – Alkohol, Tabak
und Vertiefung Schwerpunktthema (6 Stunden)

 

Grundlagen
– Möglichkeiten und Grenzen von Ärzten bei der Behandlung von Patienten mit
   problematischem Alkohol- und Tabakkonsum

Erkennen: Früherkennung/Diagnostik/Folge- und Begleitprobleme
– Früherkennung: Instrumente, Klinik, Labor
– Diagnostik des riskanten und schädlichen Alkoholkonsums und der Alkoholabhängigkeit
– Diagnostik der Nikotinabhängigkeit
– Körperliche, psychische und soziale Folge- und Begleitprobleme
– Entzugssyndrome
– Kombinierter Alkohol- und Medikamentenkonsum
– Komorbidität von psychischen Störungen und Alkoholmissbrauch bzw. -abhängigkeit
   Behandlungsaspekte
– Kontrolliertes Trinken
– Behandlung des Alkoholentzugssyndroms
– Rückfallprophylaxe bei Alkoholabhängigkeit
– Stellenwert der Anticraving-Therapie
– Unterstützung der Raucherentwöhnung

Vermitteln
– Ambulante und (teil-)stationäre Beratungs- und Behandlungsangebote
-- Indikationen für Vermittlungen

 

Baustein III (4 Stunden) – Medikamente

 

Grundlagen
– Psychosomatische Konzepte vegetativer Funktionsstörungen
– Verschreibungspraxis
– Selbstmedikation
– Chronifizierungsprozesse psychosomatischer Störungen
– Pharmakologie von Medikamenten mit Missbrauchs- und Abhängigkeitspotential

   • Benzodiazepine
   • Barbiturate und Clomethiazol
   • Amphetamine und andere Aufputschmittel
   • Analgetika
   • Laxantia
   • Anabolika
   • sonstige psychotrope Substanzen

– Sekundäre Abhängigkeitsentwicklung im Kontext ärztlich geführter medikamentöser   
   Behandlung....
   • ...bei Schlafstörungen
   • ...bei Schmerzsyndromen
   • ...bei Depression und anderen psychischen Störungen

– Möglichkeiten und Grenzen von Ärzten und Ärztinnen bei der Behandlung von Patienten  
   und Patientinnen mit problematischem Medikamentenkonsum

Erkennen: Diagnostik, Folge- und Begleitprobleme
– Diagnostik von schädlichem Gebrauch/ Missbrauch und Abhängigkeit
– Körperliche, psychische und soziale Folge- und Begleitprobleme

Behandlungsaspekte
– Medikamentenentzugssyndrome
– Rückfallprophylaxe bei Medikamentenabhängigkeiten

Vermitteln
-- Ambulante und (teil-)stationäre Beratungs- und Behandlungsangebote
-- Indikationen für Vermittlungen

 

Baustein IV (8 Stunden) – illegale Drogen

 

Grundlagen
– Illegale Drogen und die Rolle der medizinischen Primärversorgung
– Pharmakologie der am häufigsten gebrauchten illegalen Drogen
   • Opiate, Opioide und ihre Antagonisten
   • Kokain
   • Illegale Amphetamine
   • Halluzinogene
   • Cannabis
   • Sonstige

– Pharmakologie der Substitutionsmedikamente und der Opiatantagonisten
   • Methadon/Levomethadon
   • Levcetylmethadol (LAAM)
   • Dihydrocodein/Codein
   • Buprenorphin
   • Sonstige

Erkennen: Screening/Diagnostik/Folge- und Begleitprobleme
– Verfahren zum Drogenscreening
– Körperliche, psychische und soziale Folge- und Begleitprobleme
– Entzugssyndrome
– Polytoxikomanie
– Komorbidität von psychischen Störungen und Drogenmissbrauch/ -abhängigkeit

Behandlungsaspekte
– Drogenentzugssyndrome
– Abstinenzorientierte Behandlung bei Drogenabhängigkeiten
– Substitution
   • Die ambulante Behandlung mit Methadon inkl. Verlaufskontrolle und Labordiagnostik
   • Substitutionsbehandlung bei HIV-Infizierten und AIDS-Erkrankten
   • Schwangerschaft und Substitution
   • Umgang mit Rückfällen und Beigebrauch
   • Organisatorische Probleme bei der Betreuung Drogenkranker in der hausärztlichen 
     Praxis
   • Opiatantagonisierung
   • Weitere Behandlungsstrategien (z.B. Akupunktur)

Vermitteln
– Ambulante und (teil-)stationäre Beratungs- und Behandlungsangebote
– Indikationen für Vermittlungen

 

Heroingestützte Behandlung (6 Stunden)

 

- Pharmakologie von Diamorphin

- Juristische Grundlagen der Diamorphinbehandlung
  = Indikationsstellung zur Therapie
  = Besonderheiten der Dokumentation der Behandlung

- Praktische Durchführung der Behandlung
  = Besonderheiten der Beikonsumkontrollen
  = Notfälle in der Substitutionsbehandlung

(bezogen auf Baustein II, III oder IV)
Vertiefung für spezielle Tätigkeitsfelder und/oder Themen
(z.B. bei regionalen Problemschwerpunkten, Sucht und helfende Berufe, Sucht und Alter)

 

Baustein V (14 Stunden) – Motivierende Gesprächsführung,
Praktische Umsetzung

 

Beraten I: Arzt-Patient-Beziehung
– Einstellungen gegenüber PatientInnen mit problematischem Suchtmittelkonsum
– Positive und negative Behandlungserfahrungen

Beraten II: Motivierende Gesprächsführung
– Grundprinzipien motivierender Gesprächsführung
– Strategien motivierender Gesprächsführung
   • Methoden
   • Inhalte
– Kurzinterventionen in der medizinischen Primärversorgung

Praktische Umsetzung
– (Früh-)Erkennung und Diagnostik im Alltag der Praxis und des Krankenhauses
– Motivierende Gesprächsführung im Alltag der Praxis und des Krankenhauses
– Umgang mit Rückfällen/Wiederaufnahmen von Problemverhalten
– Schwierige Beratungs-/Behandlungssituationen
– Umgang mit Widerstand und "Fällen" im Beratungsgespräch
– Motivierende Gesprächsführung mit Angehörigen
– Kontinuierliche Zusammenarbeit des Arztes mit dem Suchtkrankenhilfesystem
– Psychosoziale Betreuung im Rahmen der Substitution bei Opiatabhängigkeit
– Unterstützung bei Entzug und Entwöhnung

Patientenvorstellungen

Während des Kurses werden voraussichtlich Patienten zu den jeweiligen Themen vorgestellt.

Leitung:

Dr. med. Mario Scheib
Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Clinica Dr. Scheib, Palma ; Praxis Kettenhofweg 94, Frankfurt

 

Wolf-Dieter Hofmeister
Facharzt für Allgemeinmedizin, Bad Homburg

 

Dr. med. Pablo Iglesias
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
Clinica Dr. Scheib, Palma

 

Dr. phil. Rigo Brueck
Diplompsychologe
Institute for Coaching and applied Neuropsychotherapy
Encinitas, California