Psychosomatische Krankheiten
Aus aktueller wissenschaftlicher Sicht spielen psychosoziale Faktoren bei vielen Erkrankungen eine Rolle, wenngleich auch in unterschiedlichem Ausmaß. Bei einem definierten Krankheitsbild, wie zum Beispiel der Neurodermitis, tragen genetische Faktoren, Ernährung, Immunsystem und Stress bei jedem Betroffenen zu unterschiedlichen Anteilen an der Entstehung und der Intensität der Symptome bei.
Jeder Patient ist einzigartig. Gemeinsam mit Ihnen erarbeiten wir Ihr individuelles Behandlungskonzept mit einer Analyse der psychosozialen Einflüsse, die zu Ihrer Krankheit geführt haben. Dabei sind bei klassischen „psychosomatischen“ Erkrankungen die Auswirkungen psychosozialer Einflüsse nicht übertragbar, da sie auf jeden Menschen unterschiedlich wirken. So gilt Stress zwar als oft nachweisbarer Auslöser oder Verstärker von Erkrankungen, doch was von einem Menschen als Stress erlebt wird, kann auf einen anderen Patienten sogar entspannend wirken.
Nachfolgend geben wir einige Beispiele von häufigen Erkrankungen, bei denen psychosoziale Faktoren bei Entstehung und Behandlung eine bedeutende Rolle spielen können.
Bluthochdruck (essentielle Hypertonie)
Bei allen Alarmreaktionen des Körpers erfolgt eine Erhöhung des Blutdrucks, wie bei Kämpfen, schwerer körperlicher Arbeit oder Flucht. Unser modernes Leben behindert oft Reaktionen, die für unsere Vorfahren nützlich waren und die in unseren Genen festgeschrieben sind. So können wir bei einer feindseligen Auseinandersetzung am Arbeitsplatz den Gegner weder erschlagen noch einfach davonlaufen. Wir zeigen nach außen zwar Ruhe, innerlich ist unser Herz-Kreislaufsystem jedoch auf Kampf oder Flucht eingestellt. Bei einer Häufung solcher Situationen bleibt der Blutdruck bei vielen Menschen dauerhaft erhöht, was zu gravierenden körperlichen Folgeerscheinungen führen kann.
Wesentliche Bestandteile der psychosomatischen Therapie bei Bluthochdruck sind Entspannungsverfahren, Sport und das Erlernen eines besseren Konfliktmanagements. Wichtig ist, die Therapie zu beginnen, solange noch keine Chronifizierung und Folgeschäden entstanden sind.
Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt
Große und unabhängige Studien belegen, dass bei Patienten, die gleichzeitig an einer koronaren Herzkrankheit und einer Depression leiden, ein doppelt bis dreifach erhöhtes Risiko besteht, an einem Herzinfarkt zu sterben. Psychosoziale Faktoren stellen einen Risikofaktor erster Ordnung dar, da sich Stress über das vegetative Nervensystem direkt auf die Herzleistung und die Durchblutung der Herzkranzgefäße auswirkt.
Entspannungsverfahren und eine Psychotherapie, die die Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungen zum Ziel hat, begünstigen die Rückbildung depressiver Muster und wirken sich günstig auf die vegetative Beeinflussung des Herzens aus. Die bei Risikopatienten deutliche Einschränkung der Pulsschwankungsbreite wird meist ausgeglichen.
Tumorerkrankungen
Bösartige Tumoren entstehen aufgrund vielfacher Ursachen. Wir wissen heute, dass seelische Faktoren das Immunsystem des Menschen außerordentlich stark beeinflussen. Immunsystem und seelische Faktoren haben bei vielen Tumoren einen deutlichen Einfluss auf Entstehung und Verlauf der Erkrankung. Gleichzeitige Depressionen verschlechtern bei vielen Tumorarten die Prognose. Dabei ist der Krankheitsverlauf bei bösartigen Tumoren bei jedem Betroffenen unterschiedlich. Deshalb sind konkrete Aussagen über Lebenserwartung und Heilungschancen für den einzelnen Fall nicht möglich.
Für Patienten mit bösartigen Tumoren ist eine jeweils umfassende individuelle Therapie erforderlich. Die Nachbetreuung nach Operationen, Bestrahlung oder Chemotherapie begleitend, soll sie die Chancen für die künftige Entwicklung verbessern. Psychotherapie kann keine Heilung versprechen, sie schafft jedoch möglichst günstige Bedingungen dafür und hilft, mit möglichen Einschränkungen besser umgehen zu können und die Freude am Leben zurückzugewinnen.
Während einer tagesklinischen oder stationären Behandlung bei uns kann eine eventuell erforderliche Chemotherapie unter fachärztlicher Aufsicht und nach Rücksprache mit Ihrem Onkologen weitergeführt werden.
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