Alkoholische Getränke sind seit vielen Jahrhunderten in der westlichen Zivilisation verbreitet. Ein moderater Umgang damit ist unbedenklich. Allerdings überschreiten viele Menschen die Grenze, an der aus einem unbedenklichen Konsum ein riskanter, schädigender oder abhängiger Gebrauch wird. Gründe dafür liegen in gesellschaftlichen Ritualen aber auch darin, dass sich durch Alkohol hervorragend Ängste und Schlafstörungen reduzieren lassen.

Die WHO unterscheidet zwischen einem unbedenklichen Konsum (gesunde Männer 40g, gesunde, nicht schwangere Frauen 20g reiner Alkohol pro Tag = ein oder zwei Viertel Wein), bei einem darüber liegendem Konsum, sind körperliche Schäden (z.B. Gastritis, Leberverfettung), psychische Schäden (Depressionen werden durch Alkohol meist verschlimmert) oder soziale Schäden (Scheidung, Führerscheinverlust) zu erwarten. Bei einer Alkoholabhängigkeit bestehen Symptome wie Kontrollverlust, Dosissteigerung, Einengung der Interessen und Entzugssymptome beim Absetzen.

Mehr als 10% der Bevölkerung Mitteleuropas hat Alkohol bedingte Probleme oder Erkrankungen.

Meist wird von Menschen mit einer Alkoholproblematik die sofortige und dauerhafte Abstinenz gefordert: Einmal Alkoholiker – immer Alkoholiker. Das bedeutet: Nie wieder ein Tropfen Alkohol.

Allerdings streben weniger als 10% der Menschen mit Alkohol bedingten Störungen die Abstinenz an. Viele verleugnen vor sich selbst und vor anderen ihre Alkoholproblematik aus Angst vor der daraus resultierenden lebenslangen Abstinenz.

Bereits in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts postulierte der belgische Psychiater und Suchtmediziner Luc Isebaert: Es gibt Menschen, die sind nicht kontrollfähig, – die sollten die Abstinenz anstreben. Es gibt aber auch Menschen, die sind nicht abstinenzfähig – die sollten eine vermehrte Kontrolle anstreben (Brügger Modell). Der Arzt begleitet seinen Patienten auf dem selbst gewählten Weg und unterstützt ihn dabei. Das Ziel ist dabei nicht in Stein gemeißelt und kann auf Grund der gemachten Erfahrungen immer wieder verändert werden. So werden Menschen, die einen kontrollierten Alkoholkonsum anstreben, zu etwa zwanzig Prozent abstinent, obwohl sie es ursprünglich nicht wollten. Und manche Menschen, die Abstinenz anstrebten und das Ziel nicht erreichten, schaffen es, ihren täglichen Konsum deutlich zu reduzieren.

Es gibt nicht den Alkoholiker! Für jeden Menschen muss eine individuelle Hilfe angeboten werden, die sich sowohl auf den Umgang mit Alkohol bezieht, andererseits die Behandlung einer möglichen Grunderkrankung (Angststörung, chronische Schmerzen oder Schlafstörungen) mit einschließt.

In der psychotherapeutischen Behandlung spielt das Motivational Interviewing (Miller und Rollnik) eine entscheidende Rolle. Die überlegene Wirksamkeit konnte in zahlreichen Studien belegt werden; es ist in Deutschland Standardverfahren in der Ausbildung von Suchtmedizinern. Dabei wird jeder kleine Veränderungsschritt in die richtige Richtung verstärkt und die Selbstwirksamkeitserwartung des Patienten erhöht.

Ergänzt wird diese Behandlung besonders bei mit bestehenden Ängsten und Depressionen durch kognitive Verhaltenstherapie und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Auch Entspannungsverfahren sind hilfreich, teilweise wird auch Neurofeedback angewandt.

Eine zunehmende Bedeutung hat die medikamentöse Unterstützung der Behandlung. Nalmefen ist ein Präparat, welches den reduzierten Konsum fördert. Baclofen (in den meisten Ländern noch off-label für diese Indikation) hilft beim Erreichen der Abstinenz, in dem es die Lust auf Alkohol reduziert und die bei Abstinenz entstehenden Spannungszustände lindert.

Ein stationärer Alkoholentzug ist nur bei einem Abhängigkeitssyndrom sinnvoll und dauert in der Regel nur wenige Tage.

Die Weiterbehandlung unserer Patienten erfolgt in der Regel im Hotel. Natürlich ist dort Alkohol verfügbar. Dafür gilt jedoch der Ausspruch Freuds: “Man kann einen Feind nicht in Abwesenheit erschlagen”. Überall in unserer Gesellschaft ist Alkohol verfügbar – wegsperren hilft nicht! Nein sagen und kontrollieren muss erlernt werden.

Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit für Ihren persönlichen Fragebogen und Sie erhalten noch am gleichen Tag eine unverbindliche Therapieempfehlung.