Myalgische Enzephalomyelitis / Chronic Fatigue Syndrom (ME/CFS) Behandlung mit Ketamin und rTMS

Myalgische Enzephalomyelitis / Chronic Fatigue Syndrome (ME/CFS) bezeichnet eine komplexe und chronische neuroimmunologische Erkrankung, die in sehr schweren Fällen zu dauerhafter Pflegebedürftigkeit führen kann. Leitsymptom der ME/CFS ist die Symptomverschlimmerung nach Anstrengung (Post-exertional Malaise [PEM]) gekennzeichnet, hinzu kommen verschiedene Symptome wie eine schwere und anhaltende Fatigue, Schmerzen, Schlafstörungen und kognitive Störungen. Die Häufigkeit wird auf etwa 1% der Bevölkerung geschätzt.

Die Erkrankung wurde bereits 1969 in den ICD aufgenommen; die genauen Ursachen sind bis heute nicht hinreichend geklärt. Vermutlich handelt es sich um verschiedene Ursachen, die von Fall zu Fall eine unterschiedlich starke Rolle spielen. Eine Überschneidung mit Post-COVID19 ist evident. Vermutlich spielen sowohl durchgemachte Infektionen als auch die Reaktion auf Impfungen eine Rolle im Entstehen von ME/CFS. Auch andere Infektionen, wie Mononucleose, kommen als ein Teil der Ursache in Frage, wobei aber auch genetische Faktoren eine Rolle zu spielen scheinen. Trigger für die Auslösung können auch psychischer Stress und traumatische Ereignisse sein.

Leitsymptom ist eine chronische Erschöpfung bereits nach geringen Anstrengungen, die sich auch nach längerem Ausruhen nicht genügend zurückbildet. Hinzu kommen Schlafstörungen, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Übelkeit und Gleichgewichtsstörungen, Magen- und Darmprobleme, gehäufte Infektionen, sowie Schmerzen. Dabei scheint es Ähnlichkeiten mit dem Fibromyalgie-Syndrom zu geben.

Da es keine spezifischen Laborwerte gibt, die die Krankheit beweisen, stützt sich die Diagnose in erster Linie auf Anamnese und körperliche Untersuchung. Man geht davon aus, dass viele Patienten deshalb nicht richtig eingeordnet werden und die Diagnose nicht oder erst spät gestellt wird.

Typische Symptome für ME/CFS:

  • Extreme Erschöpfung, allgemeine Schwäche (Fatigue)
  • Geruchs- und Geschmacksstörungen
  • Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen
  • Schlafstörungen, nicht erholsamer Schlaf, nächtliche Beinbewegungen und -zuckungen
  • Anstrengung verschlimmert die Beschwerden für mehr als 24 Stunden
  • Muskel- und Gelenkschmerzen ohne Rötung und Schwellung
  • Kopfschmerzen
  • Halsschmerzen
  • Empfindliche Lymphknoten am Hals/unter den Achseln
  • Depressive Verstimmungen
  • Fieber
  • Sehstörungen

Behandlung von ME/CFS

Die Behandlung erfolgt symptomatisch, wobei im Gegensatz zur Behandlung depressiver Störungen, keine aktivierenden Therapien stattfinden sollten. Allgemein anerkannte Therapien gibt es nicht, allerdings gibt es eine zunehmende Studienlage, die für die Wirksamkeit der folgenden Therapien spricht, wenn auch nicht bei jedem einzelnen Patienten.

Ähnliche Symptome von ME/CFS treten auch bei anderen Krankheiten wie multipler Sklerose, Krebsleiden, Fibromyalgie oder bestimmten viralen Infektionen auf. Bei diesen Krankheitsbildern wurden bereits mit Erfolg Behandlungen mit repetitiver transkranieller Magnetstimulation (rTMS) durchgeführt.

Bei der repetitive transkraniellen Magnetstimulation werden Teile des Gehirns durch ein starkes, pulsierendes Magnetfeld stimuliert. Dieses Verfahren hat sich bereits seit langer Zeit bei der Behandlung von Depressionen und neurologischen Störungen bewährt. Aktuelle Studien zeigen, dass sich sowohl die Fatigue-Symptomatik als auch kognitive und Gleichgewichtsstörungen dadurch deutlich verbessern lassen (Miwa, Ionue, 2023; Sasaki et al, 2023).

Wissenschaftliche und medizinische Studien bestätigen die Wirksamkeit von ketamingestützter Therapie bei verschiedenen psychosomatischen Krankheiten.

Ketamin reduziert neuroinflammatorische Cytokine und wirkt sich in einigen Studien bei degenerativen und entzündlichen Erkrankungen des Nervensystems positiv aus. Besonders sinnvoll ist die Behandlung, wenn Patienten zusätzlich unter den Symptomen einer Depression leiden (Jóźwiak-Bębenista et al, 2024).
Ketamin ist ein Anästhetikum, das in den USA bereits seit Jahren zur Behandlung von Depressionen eingesetzt wird. Es hat sich gezeigt, dass Ketamingestützte Therapie auch bei ME/CFS die Symptome wie Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Depressionen verbessern kann.

Patienten lernen durch Psychotherapie ihr Verhalten und ihre Einstellungen zu ändern und neue Wege zu gehen

Psychotherapie ist wichtig, da fast alle Patienten aufgrund der Schmerzen und der Einschränkungen in ihrem Leben depressive Symptome entwickeln. Hierbei sind aber spezielle Techniken erforderlich, wie zum Besipiel die Ketamingestützte Therapie, die sich gerade bei chronischen Schmerzen und Depressionen sehr bewährt hat (Batievsky et al, 2023; Drozdz et al, 2022).

Bei Neurofeedback werden abweichende Gehirnwellen über operante Konditionierung so lange trainiert und verändert bis sich die Beschwerden des Patienten vermindern

Neurofeedback verbessert die Konnektivität der Gehirnregionen untereinander. Dabei können verschiedene Symptome bei ME/CFS verbessert werden, insbesondere auch Schlafstörungen (Heitmann et al, 2023). Da Neurofeedbacktraining längerfristig angewendet werden sollte stellen wir Patienten nach Entlassung mobile Geräte zur Verfügung, die von uns remote kontrolliert und nachjustiert werden können.

Auch wenn wir sicher nicht allen Patienten helfen können gehen wir aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen davon aus, dass sich beim größten Teil nach einer zwei bis dreiwöchigen Behandlung eine deutliche Besserung oder gar Remission erzielen lässt.

Literatur zum Einsatz von rTMS bei Fatigue und ME/CFS:

 Xingming Wang, Jianjun Yang, Kenji Hashimoto (2022) (R)-ketamine as prophylactic and therapeutic drug for neurological disorders: Beyond depression


 Leorey N. Saligan et al (2019) J Affect Disord.: Disentangling the Association of Depression on the Anti-fatigue Effects of Ketamine 


 Sasaki Nobuyuki: The Japanese Journal of Rehabilitation Medicine (2022) Brain fog associated with Long COVID and therapeutic intervention using repetitive transcranial magnetic stimulation (rTMS).


 Paola Ortelli et al. (2021) Journal of Neurological Science: Neuropsychological and neurophysiological correlates of fatigue in post-acute patients with neurological manifestations of COVID-19: Insights into a challenging symptom 

W Kakuda ,  R Momosaki , N Yamada, M Abo – Innere Medizin, 2016 : Hochfrequenz- rTMS zur Behandlung des Chronic Fatigue Syndroms: eine Fallserie )

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